Leider ist diese geniale Aussage nicht von mir, sondern von dem von mir hoch geschätzten Hermann Scherer. Sein Buch „Glückskinder“ habe ich mir über Pfingsten zum wiederholten Male gegönnt und war wie immer geflasht.

Ich hoffe, Hermann nimmt es mir nicht übel, dass ich mir diese Aussage als Überschrift für diesen Beitrag geklaut habe. Dafür mache ich hiermit auch kräftig Werbung für sein Buch, welches ich ausdrücklich und wärmsten empfehlen kann.

Hermann beschreibt in seinem sehr unterhaltsamen Werk das Phänomen unserer Zeit, Probleme als etwas ganz Schreckliches und möglichst zu Vermeidendem anzusehen, anstatt die darin enthaltenen Chancen zu erkennen und vor allem zu nutzen.

Es liegt in der Natur des Menschen, dass wir uns von Problemen lähmen lassen. Angesichts von Problemen kreisen permanent Ängste, Sorgen und Nöte in unseren Hirnwindungen und blockieren damit jegliche Kreativität und den Blick auf die sich aus jedem Problem ergebenden Chancen.

Sorgen, Ängste und schlimme Befürchtungen, die übrigens zu 99% nicht zutreffen, führen dazu, dass wir unsere Zielbilder aus den Augen verlieren. Die tollsten und motivierendsten Visionen verschwimmen angesichts der großen und kleinen Herausforderungen, die uns täglich ereilen. Wir steigern uns bei auftretenden Problemen in schlimme Katastrophen-Szenarien hinein und verlieren das Vertrauen in die Zeit. Die Zeit, die ja bekanntlich alle Wunden heilt.

Ich finde, es wird Zeit, die Dinge beim Namen zu nennen. Wir brauchen Probleme!

Probleme sind die Triebfedern für Innovationen und Veränderungen. Probleme bringen uns dazu, den Status-Quo zu hinterfragen und neue Dinge zu wagen. Probleme lassen uns kreativ werden und sorgen dafür, dass wir wachsen und uns weiterentwickeln. Probleme zwingen uns dazu, uns aus unserer Komfortzone heraus zu bewegen.

Wer also Problemen ausweicht und ständig versucht ihnen aus dem Weg zu gehen, der kommt nicht vorwärts.

Und noch etwas brauchen wir, um voran zu kommen. Tatkraft.

Tatkraft, die uns von der Lähmung befreit und ins Handeln bringt. Denn auch das ist ein Phänomen unserer Zeit, dass wir vor lauter Angst etwas Falsches zu tun, nicht ins Handeln kommen.

„Wenn ich nicht mehr weiter weiß, bilde ich einen Lenkungskreis“. Wir zerreden viele Dinge, wägen immer wieder ab, prüfen dieses und jenes noch einmal und kommen nicht ins Tun. Entscheidungen zu treffen, fällt vielen Menschen schwer, und so verstauben viele gute Ideen in den Schubladen und werden deshalb niemals umgesetzt.

Probleme bringen uns dazu ins Handeln zu kommen und das ist gut so. Deshalb möchte ich mit diesem Betrag dazu auffordern, die momentane Situation nicht nur als schlimme Katastrophe abzutun, die es zweifellos trotzdem ist, sondern, trotz aller Widrigkeiten, auch die darin versteckten Chancen zu erkennen und zu nutzen.

Ich meine das überhaupt nicht zynisch und es liegt mir absolut fern, in den Tenor der Verschwörungstheoretiker einzufallen. Und auf gar keinen Fall, will ich die Auswirkungen der momentanen Krise herunterspielen, ganz im Gegenteil. Viele Unternehmen sind massiv von Umsatzrückgängen betroffen. Arbeitsplätze sind in Gefahr oder sogar schon weggefallen und viele Menschen und Familien leiden ganz massiv unter den durch die Pandemie aufgezwungenen Veränderungen und Einschränkungen.

Ich bin mir aber sicher, dass selbst die derzeitige Krise auch ganz viel Potenziale für Wachstum, Innovationen und Veränderung in sich birgt.

Mein Geschäft ist Anfang März komplett eingebrochen. Sämtliche Inhouse-Seminare, Workshops und Coachings wurden abgesagt oder verschoben, sodass in den letzten beiden Monaten der Umsatz um rund fünfzig Prozent zurückgefahren wurde. Das ist natürlich alles andere als lustig und erforderte einige Maßnahmen, um meine Mitarbeiter und das Unternehmen zu halten.

Bei genauer Betrachtung der Umsätze zeigt sich aber auch eine positive Entwicklung. Von dem verbleibenden Umsatz habe ich nämlich mehr als die Hälfte mit Leistungen eingefahren, die ich im Februar noch gar nicht in meinem Portfolio hatte.

Gezwungener Maßen habe ich Produkte und Lösungen entwickelt, mit denen ich meine Kunden als Berater, Trainer und Coach unterstützen konnte, auch ohne die Möglichkeit vor Ort zu sein. Individuelle Online-Coachings, Webinare und sogar Consulting-Programme, mit denen ich Vertriebler, Führungskräfte und Unternehmen dabei unterstütze über diese Phase zu kommen und gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

Ich kenne mich zu gut, um genau zu wissen, dass ich diese Themen niemals aus dem Boden gestampft hätte, wenn mich Corona nicht dazu gezwungen hätte. Und schon gar nicht in dieser Geschwindigkeit. Dafür bin ich viel zu träge.

Mein Geschäft mit Inhouse-Trainings- und Beratungskonzepten lief viel zu gut vor der Krise, sodass ich nie im Leben so schnell und ein so umfassendes Programm auf die Beine gestellt hätte, wenn mich das Virus nicht mit einem derart großen Problem konfrontiert hätte.

Ich wurde mit aller Macht aus meiner Komfortzone geschupst, habe aber – nach einer kurzen Phase der Lähmung – zum Glück sehr schnell die darin verborgene Chance erkannt und bin in die Umsetzung gekommen.

Aus vielen Gesprächen weiß ich, dass viele Vertriebler, Unternehmensinhaber, Manager und Unternehmen zurzeit mit sehr großen und scheinbar unüberwindbaren Probleme zu kämpfen haben.

Sehen Sie, bei aller Tragik, darin aber bitte nicht nur den großen Berg, den es abzutragen gilt, sondern sehen Sie um Himmels willen auch die darin verkleideten Chancen.

Wenn wir in der Geschichte zurück blicken, hatten wir es immer wieder mit zum Teil noch größeren Herausforderungen zu tun. Kriege, Pandemien und Börsencrashs gab es schon immer und jedes Mal ist es danach weiter gegangen. Immer wieder sind die meisten Unternehmen und Menschen gestärkt aus den Krisen hervorgegangen und einige sind danach sogar noch viel stärker und dynamischer gewachsen als vorher.

Das waren dann meistens diejenigen, die den Chancenblick hatten und die rechtzeitig, ohne langes Zögern und mit dem erforderlichen Mut ins Handeln gekommen sind.

Lassen Sie sich nicht lähmen. Suchen Sie nach den auf jeden Fall vorhandenen Chancen, die sich hinter den Problemen verbergen und geben Sie Gas. Seien Sie mutig, dann wird der Erfolg zurückkommen. Vielleicht schneller und größer als Sie derzeit zu hoffen wagen.

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Holger Steitz ist Berater, Trainer, Coach und Autor für Vertrieb, Social-Selling, Führung und Verhandlungstechniken im B2B-Umfeld und der Kopf von SALE DIRECT. Er trainiert und coacht Führungskräfte und Mitarbeiter im Vertrieb und unterstützt mit seiner SALE DIRECT GmbH B2B-Unternehmen bei der Entwicklung und Optimierung von Vertriebsstrategien und bei der Umsetzung von Konzepten zur Neukundengewinnung für erklärungsbedürftige Produkte und Dienstleistungen.

In dem im Haufe-Verlag erschienenen Fachbuch „Verkaufen ohne Tricks und Kniffe: Mit System zum B2B-Vertriebserfolg“, beschreibt Holger Steitz den kompletten Verkaufsprozess für Investitionsgüter und Dienstleistungen und gibt für alle Phasen Praxistipps für Einsteiger aber auch für Vertriebsverantwortliche in Unternehmen.

Sein aktuelles E-Book „Die ungefähr sieben ultimativen Tipps, um im Vertrieb zu scheitern“ können Sie hier kostenlos downloaden.