Viel zu oft lassen wir uns von Konventionen und Regeln beeinflussen. Viele Dinge gehen wir nicht an, weil wir davon ausgehen, dass etwas nicht möglich ist oder weil uns die gängige Meinung suggeriert, dass man gewisse Dinge eben einfach nicht macht.

  • Montagvormittags funktioniert keine Telefonakquise
  • Im Juli und August kann man sowieso kein neues Projekt akquirieren
  • Die Anforderungen, die dieser Kunde stellt, sind viel zu aufwändig und komplex
  • Eine Umsatzverdopplung in zwei Jahren ist unmöglich

Derartige Diskussionen, ob bestimmte Dinge möglich und umsetzbar sind oder nicht, muss ich leider häufig führen, gerade in Strategie-Workshops oder Vertriebstrainings. Ja und ich gestehe, auch ich selbst stehe mir oftmals im Wege, wenn ich wieder einmal in die „das-macht-man-nicht-Falle“ tappe oder in das „das-ist-unmöglich-Loch“ falle.

Ich rufe mir dann gerne die Geschichte von Cliff-Young in Erinnerung und erzähle sie den Veranstaltungsteilnehmern. Diese Geschichte hat sich tatsächlich im Jahre 1983 in Australien zugetragen.

Cliff Young war ein Landwirt auf einer Schaf-Farm außerhalb von Melbourne. Zur Verwunderung aller Teilnehmer, ausnahmslos Extremsportler aus der ganzen Welt, nahm er in Arbeitsschuhen und Overall an dem Ultramarathon über 875 Kilometer von Sidney nach Melbourne teil.

Cliff Young war zu diesem Zeitpunkt bereits 61 Jahre alt und während alle Teilnehmer über gut dotierte Sponsorenverträge und ein Team von Betreuern verfügte, wurde Cliff lediglich von seiner 81-jährigen Mutter begleitet.

Am Start machte man sich große Sorgen um den alten Mann. Niemand ging davon aus, dass Cliff Young die 875 Kilometer, für die der Sieger in den vergangenen Jahren zwischen sieben und acht Tagen gebraucht hatten, in gesundheitlich gutem Zustand bewältigen konnte.

Wie zu erwarten, fiel Cliff schnell zurück und am Ende des ersten Wettkampftages, an dem sich alle Läufer zur Ruhe, für Massagen und zur Nahrungs- und Getränkeaufnahme begaben, lag er schon scheinbar uneinholbar zurück.

Doch Cliff Young lief einfach weiter, sodass er am Ende des zweiten Tages, trotz seines eigenwilligen Laufstils, in Führung lag. Wieder begaben sich alle Läufer zur Ruhe, aßen, tranken, ließen sich massieren und schliefen etwa fünf Stunden. Alle, nur nicht Cliff Young.

Er aß und trank während er lief und schlief in jeder Nacht jeweils nur etwa eine Stunde auf dem Beifahrersitz des von seiner Mutter gesteuerten Begleitfahrzeugs, sodass er den Lauf schließlich in der absoluten Rekordzeit von 5 Tagen 15 Stunden und 4 Minuten, mit eineinhalb Tagen Vorsprung gewann.

Das Preisgeld von 10.000,- Dollar verschenkte Cliff Young übrigens an die fünf Teilnehmer, die bei der Siegerehrung noch nicht im Ziel waren. „Die haben es härter als ich“, soll er dazu gesagt haben.

Wie war das möglich? Wie konnte ein 61-jähriger Schaf-Hirte aus der Nähe von Melbourne einem Lauf über 875 Kilometer mit einem Vorsprung von eineinhalb Tagen gegen perfekt trainierte Top-Läufer aus der ganzen Welt gewinnen?

Das Phänomen wurde natürlich ausführlich untersucht und war Stoff für viele wissenschaftliche Studien aus der Welt des Sports, der Medizin und der Psychologie.

Man kam zu dem Ergebnis, dass der Sieg zum einen sicherlich mit dem unkonventionellen und extrem energiesparenden Laufstil zu begründen war, der als „Cliff-Young-Shuffle“ in die Geschichte einging und später von vielen Läufern übernommen wurde.

Der Hauptgrund war aber in der Psychologie zu finden und wurde damit begründet, dass Cliff Young die geltenden Konventionen rigoros ignorierte und zwar, weil er diese einfach überhaupt nicht kannte.

Cliff Young war Schafhirte und war es gewohnt, oft zwei drei Tage am Stück zu laufen, um die riesige Schafherde zusammenzuhalten. Für ihn war es ganz normal, dass man mehrere Tage am Stück lief, ohne nennenswerten Schlaf, ohne Massagen und ohne energiespendende Getränke und Nahrung. Er wusste nicht, dass man sich nach jedem Tag ausruhen und mindestens fünf Stunden schlafen sollte.

Wir sollten viel öfter sein wir Cliff Young!

Bestehenden Konventionen ignorieren.

Ohne die Beachtung von scheinbarem Expertenwissen und Erfahrung, einfach die Dinge angehen und schauen, was passiert.

Mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten haben.

Eigene Erfahrungen aus scheinbar nicht vergleichbaren Bereichen nutzen und umsetzen.

An uns selbst glauben und auch scheinbar Unmögliches wagen.

Wir sollten viel öfter sein wie Cliff Young!

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Holger Steitz ist Berater, Trainer, Coach und Autor für Vertrieb, Social-Selling, Führung und Verhandlungstechniken im B2B-Umfeld und der Kopf von SALE DIRECT. Er trainiert und coacht Führungskräfte und Mitarbeiter im Vertrieb und unterstützt mit seiner SALE DIRECT GmbH B2B-Unternehmen bei der Entwicklung und Optimierung von Vertriebsstrategien und bei der Umsetzung von Konzepten zur Neukundengewinnung für erklärungsbedürftige Produkte und Dienstleistungen.

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