Wahrscheinlich denken Sie beim Lesen dieser Überschrift, dass ich jetzt total „durch“ bin.  Jetzt schreibt der Steitz doch allen Ernstes, dass ich mehr Fehler machen soll. Spinnt der jetzt völlig?

Gänzlich widersprechen kann ich Ihnen in dieser Hinsicht sicher nicht, denn letztendlich haben wir ja alle einen mehr oder weniger großer Knall. Oder? Warum ich aber trotzdem finde, dass Sie mehr Fehler machen sollten, das möchte ich Ihnen in diesem Beitrag kurz erläutern.

Wir alle haben unsere Routinen, unsere alltäglichen Aufgaben und Projekte, die wir, meist mit großer Gelassenheit und Ruhe, souverän und ordentlich abarbeiten. In diesem Rahmen fühlen wir uns wohl. Hier sind wir sattelfest, nichts und niemand bringt uns hier so schnell aus der Fassung. Da muss schon mehr kommen.

Mehr? Ja natürlich viel mehr. Denn so lange wir immer und immer wieder nur das tun, was wir schon immer getan haben, bewegen wir uns keinen Millimeter vorwärts. Wir igeln uns in unsere Kuschelecke ein und fühlen uns wohl.

Wer macht keine Fehler? Diese Frage stelle ich in Trainings- oder Workshops gerne und bekomme dann in der Regel auch die Antworten, die ich hören will.

Derjenige, der nichts macht. Genau, wer nichts macht, macht auch keine Fehler. Aber das meine ich gar nicht.

Ich meine viel mehr, dass wir viel öfter mutig und frech sein sollten. Mutig, in dem wir uns immer wieder mal aus unsere Komfortzone heraus bewegen und Dinge tun, die wir ansonsten nicht, nur ungern oder gar widerwillig angehen.

Und ich finde tatsächlich wir sollten ab und zu mal ein bisschen frech sein. Wir sollten gelegentlich einfach mal die Frechheit besitzen und uns über gängige Konventionen – über das „das macht man doch nicht“ – hinwegsetzen.

Ich möchte Sie ermutigen, sich gelegentlich und immer wieder aus Ihrer Komfortzone herauszubewegen und gezielt Fehler machen. Wagen Sie ruhig mal etwas. Was soll schon passieren?

Meine Vermutung ist allerdings, dass viele – und ich schließe mich hier ausdrücklich mit ein – viel zu oft ganz bewusst in den Routinen, in unserer Komfortzone bleiben. Denn da können wir keine großen Fehler machen. Denn in unserer Kultur hat das Fehler machen keinen guten Ruf, was für uns alle mehr als schädlich ist.

Die richtigen Böcke werden da geschossen, wo wir uns nicht auskennen oder bei den Tätigkeiten, die wir scheinbar nicht so gut beherrschen. Deshalb vermeiden wir sie und berauben uns selbst der Chance uns weiter zu entwickeln.

Weiterentwicklung, Lernen, Herausforderungen finden aber nun mal fast ausschließlich in genau diesem unbekannten Terrain statt.

Frank Wilczek, der amerikanische Nobelpreisträger, hat einmal gesagt: „Wenn du keine Fehler machst, dann sind die Probleme an denen du arbeitest, nicht schwierig genug.“

Wer Ziele erreichen will – und hier rede ich noch nicht einmal von großen Zielen – der muss aber immer wieder große Probleme lösen. An dem Lösen von Problemen wachsen wir. Und daran, Fehler zu machen. Vielleicht sogar zu scheitern.

Wer nicht scheitert, der hat zu wenig gewagt. Scheitern wir uns doch lieber zum Erfolg.

Versuchen wir doch immer wieder direkt beim Geschäftsführer oder Vorstand anzurufen, um dort einen Termin zu vereinbaren. Was soll schon passieren?

Bewerben wir uns doch einfach mal auf die neue Position, obwohl wir glauben, den Anforderungen noch nicht gewachsen zu sein. Nicht umsonst heißt es doch, dass man mit seinen Anforderungen wächst.

Oder planen wir doch mal eine Umsatzsteigerung von 30% gegenüber dem Vorjahr. Wer sich hohe Ziele setzt, könnte sie vielleicht sogar erreichen.

Oder eben auch nicht und dann ist das auch nicht gleich der Weltuntergang. Dann haben wir halt einen Fehler gemacht und wissen beim nächsten Mal, wie wir die Umsatzsteigerung doch hinbekommen können. Dann sind wir auf dem richtigen Weg und haben die Chance, aus unseren Fehlern zu lernen und uns weiter zu entwickeln.

Nutzen wir diese Chance. Immer und immer wieder. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Fehler machen;-)

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Holger Steitz ist Trainer, Berater, Coach und Autor für Vertrieb und Kundengewinnung, Social-Selling, Führung und Verhandlungstechniken im B2B-Umfeld und der Kopf von SALE DIRECT. Er trainiert und coacht Führungskräfte und Mitarbeiter im Vertrieb und unterstützt mit seiner SALE DIRECT GmbH B2B-Unternehmen bei der Entwicklung und Optimierung von Vertriebsstrategien und bei der Umsetzung von Konzepten zur Neukundengewinnung für erklärungsbedürftige Produkte und Dienstleistungen.

Gerade ist im WILEY-Verlag sein neues Buch „Mach endlich Deinen Job“ erschienen.  Darin geht es um Zeitverschwendung, falsche Routinen und faule Ausreden im Vertrieb, aber natürlich auch um Auswege aus diesem Dilemma sowie die richtigen und zielführenden Maßnahmen für erfolgreichen und zeitgemäßen B2B-Vertrieb. Hier gibt es die kostenlose Leseprobe.

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