Bei uns ist freitags in der Regel Pastatag. Zum Abschuss der Woche kommen alle Familienmitglieder zusammen und bringen meistens einen ordentlichen Hunger mit. Lust groß zu kochen hat aber eigentlich niemand mehr so wirklich und so hat es sich eingebürgert, dass wir schnell ein paar Nudeln in einen Topf werfen, eine leckere Sauce oder Pesto dazu und fertig.

Meist sitzen wir dann ziemlich lange zusammen, erzählen uns gegenseitig von den Erlebnissen der Woche, machen ein bisschen Weltpolitik und verputzen jeder eine ordentliche Portion Nudeln.

Ich kann Ihnen versichern, dass wir durch die Bank weg gute Esser sind und Pasta geht im Hause Steitz wirklich immer. Und trotzdem bleibt immer, aber wirklich immer, einiges von der leckeren Teigware übrig. Wir machen grundsätzlich zu viel, obwohl wir im Vorfeld versuchen, die Menge möglichst realistisch abzuwägen.

Genauso ist es mit Sorgen und Ängsten. Auch davon machen wir Menschen uns in der Regel viel zu viel, was ich aus den Gesprächen in meiner Coaching-Praxis leider immer wieder feststelle.

Und um eines ganz klar zu stellen. Ich möchte hier in keinster Weise Menschen, die unter generalisierten Angststörungen leiden diskreditieren oder mich über diejenigen Mitglieder unserer Gesellschaft lustig machen, die tatsächlich von existenziellen Sorgen und Nöten geplagt sind. Überhaupt nicht.

Mir geht es eher um die Art von Menschen, zu denen ich mich selbst auch zähle. Die Grübler und Pessimisten, die sich permanent in ihrem Kopf ausmalen, was alles Schlimmes passieren könnte.

Es liegt in unseren Genen begründet, dass wir – genauer gesagt unser Unterbewusstsein – permanent mögliche kleine und große Katastrophen befürchten. Wir sind die direkten Nachfahren der Menschen, die den Schatten an der Höhlenwand ernst genommen haben und, weil wir die Gefahr gefühlt haben, rechtzeitig vor dem Säbelzahntiger davon gelaufen sind. Die sorglosen und unbeschwerten wurden gefressen und konnten sich demzufolge nur schwer fortpflanzen.

Manchem Menschen wurde auch vorgelebt, dass man sich ständig Sorgen machen muss, dass man grundsätzlich mit wenig Zuversicht und Selbstvertrauen durchs Leben gehen und auf alle möglichen Eventualitäten vorbereitet sein sollte. Eine gewisse „Grundängstlichkeit“ wurde vielen von uns tatsächlich anerzogen.

Glücklicherweise wissen wir aber inzwischen, dass ein großer Teil der Dinge, die uns nachts den Schlaf und tagsüber die Konzentration rauben, unbegründet sind. Das wusste schon Jean-Paul Sartre, der schrieb: „Ein großer Teil der Sorgen besteht aus unbegründeter Furcht“.

Sorgen und Ängste deshalb aber einfach ignorieren oder zu verdrängen hat aber leider eher den Effekt, dass diese unheilvollen Erwartungen und Befürchtungen noch zunehmen oder neue Ängste in meist schlimmerer Form und Ausprägung nach einiger Zeit erneut auftreten.

Besser wäre es, wenn wir uns mit den von unserem Unterbewusstsein erwarteten Problemen auseinandersetzen. Anstatt zu verdrängen, sollte man eher hinterfragen: Wovor habe ich eigentlich Angst? Wie wahrscheinlich und realistisch ist das? Was kann ich tun, damit das Befürchtete nicht eintritt? Was tue ich, wenn es doch so kommt wie befürchtet und worauf habe ich überhaupt Einfluss?

Blicken Sie den Sorgen ganz tief in die Augen und gehen Sie die folgenden Schritte durch:

  • Schreiben Sie auf, was Sie befürchten.
  • Was wäre das Schlimmste, was passieren kann und wie reagieren Sie, wenn es tatsächlich eintritt?
  • Wie realistisch ist das befürchtet Katastrophen-Szenario auf einer Skala von 1 bis 10?
  • Was liegt nicht in Ihrer Hand?
  • Was können Sie selbst tun, um zu verhindern, dass das Befürchtete eintritt?

Mit den sachlichen Informationen, die Sie auf diese Weise zusammen schreiben, können Sie konkrete nächste Schritte angehen oder vielleicht auch einfach zur der Erkenntnis gelangen, dass die Sorgen unbegründet oder maßlos überzogen sind und sich entspannen.

Und denken Sie beim nächsten Mal dran. Nicht zu viel Nudeln…

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Holger Steitz ist Trainer, Berater, Coach und Autor für Vertrieb und Kundengewinnung, Social-Selling, Führung und Verhandlungstechniken im B2B-Umfeld und der Kopf von SALE DIRECT. Er trainiert und coacht Führungskräfte und Mitarbeiter im Vertrieb und unterstützt mit seiner SALE DIRECT GmbH B2B-Unternehmen bei der Entwicklung und Optimierung von Vertriebsstrategien und bei der Umsetzung von Konzepten zur Neukundengewinnung für erklärungsbedürftige Produkte und Dienstleistungen.

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